Tätigkeitsbericht 2016

Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener Niedersachsen e.V. (LPEN e.V.) - im Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) -
Tätigkeitsbericht für das Jahr 2016


I. Allgemeines
Das Jahr 2016 war geprägt durch Krisen, die unsere Vereinstätigkeiten in große Schwierigkeiten brachten. So hatten wir den plötzlichen, unerwarteten Tod von zwei Vorstandsmitgliedern (Ronald Kaesler, Christian Harig) zu verkraften, die unseren Verband seit der Gründung mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz geprägt haben, und schwere, z. T. langwierige Ausfälle durch Erkrankungen weiterer Vorständler und anderer Aktiver. Dadurch war eine geregelte Vorstandsarbeit zeitweilig kaum möglich, zumal keine Übergabe stattgefunden hat und die Routinen (Anträge stellen, Termine einhalten, geschäftliche Tätigkeiten usw.) dem amtierenden Vorstand noch nicht bekannt waren.


Gleichzeitig begannen sich Reformen im Psychiatrie-Bereich auf Länderebene abzuzeichnen, vor allem in der zweiten Jahreshälfte, nach der Vorstellung des Landespsychiatrie-Plans und des Inklusionsberichtes, beides Ergebnisse der jeweiligen Kommissionen.


II. Mitgliederversammlung:
Die Jahreshauptversammlung fand am 11.6.2016 statt in Hannover, Freizeitheim Lister Turm. Nach der Entlastung des Vorstandes wurde als Nachfolger von Ronald Kaesler Thorsten Horenkamp in den Vorstand gewählt, der bereits die Aufgabe als Webmaster von Andreas K. übernommen hatte. Als Ersatzmitglied stellte sich Klaus-Dieter Wackwitz zur Verfügung; er kümmert sich um unsere Vereinszeitung. Die Verstorbenen (es gab leider weitere aus unseren Reihen) wurden geehrt.

Darüber hinaus wurde aus den einzelnen Regionen berichtet und über die weitere Arbeit diskutiert.

III. Zur Arbeit des Vorstands:
Die Vorstandssitzungen fanden, soweit möglich, monatlich und in Hannover statt, zunächst an unterschiedlichen Orten, dann im Café F (Freiwilligen- Café im ÜSTRA-Haus) statt.
Anfang des Jahres hat Ronald unsere Zeitung (seine letzte) noch fertiggestellt und an alle Mitglieder verschickt. Christian und Ronald haben die Förderanträge vorbereitet und mit Marias Tätigkeitsbericht verschickt. Nachdem der geplante Sprecherkreis im Februar in Lüneburg ausfallen musste, übernahm Maria die Vorbereitung des Treffens im April, unterstützt von Ronald.
Bei der Vorbereitung der Jahreshauptversammlung und des Sprecherkreis-Treffens im November hat uns dann der BPE aufgrund der Todesfälle organisatorisch unterstützt.
Der unerwartet Tod von Ronald - nachdem schon Markus D. plötzlich verstorben war - erschütterte alle; die Trauerfeier in Delmenhorst wurde von uns als LPEN zusammen mit Freunden und Verbandsmitgliedern organisiert und gestaltet; Ronalds Familie hatte kein Interesse daran. Schwierig war auch, aus dem Nachlass die Vereinsunterlagen zu sichten, zu sichern und erreichbar zeitweilig zwischenzulagern; Dank an alle Helfer!.


Bei Christians Trauerfeier würdigte Maria auf Wunsch der Familie Christians Wirken für uns Psychiatrie-Erfahrene. Von allen drei Verstorbenen verabschiedete sich die LPEN mit einem
Blumengesteck. Uns als Landesverband ist es wichtig, dass die von Christian initiierten und geleiteten Selbsthilfegruppen weiterarbeiten können; das war ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit. Durch Christians Tod rückte Klaus-Dieter Wackwitz in den Vorstand nach; er erklärte sich bereit, als Öffentlichkeitsreferent zur Verfügung zu stehen.

U.a. aufgrund der personellen Probleme gab es Schwierigkeiten im Umgang mit der Kassenführung. Zudem hatte das „Unternehmenskontor Scheeßel“, das unsere Abrechnungen machte, die Zusammenarbeit beenden müssen aufgrund eigener personeller Veränderungen. Durch Unterstützung von Thorsten gelang es dann, gangbare Lösungen zu finden, (z.B. Umstellung auf eine leichter zugängliche Sparkassenfiliale). Es dauerte auch längere Zeit, bis sich alles eingespielt hatte, und erforderte viel Geduld. Ein weiteres wichtiges Thema war der Umgang mit den Ausfällen auch durch Krankheit – hier wird es nötig sein, sich mit unseren Erkrankungen und den Möglichkeiten der Selbsthilfe mehr
auseinanderzusetzen.


IV. Öffentlichkeitsarbeit
Klaus-Dieter Wackwitz traf sich regelmäßig mit einem kleinen Redaktionsteam, braucht aber noch Unterstützung.
Der Webmaster aktualisierte und pflegte die Seite www.lpen-online.de mit neuen Nachrichten und Terminen. Er wurde in der 2. Jahreshälfte unterstützt von dem neuen Mitglied Maik W. Es gibt auch Verlinkungen mit weiteren Selbsthilfeseiten.


V. Selbsthilfeangebote
Psychiatrie-erfahrene Ratsuchende haben sich immer wieder telefonisch und über E-mail an uns gewandt mit der Bitte um Unterstützung, Rat und Hilfe. Es blieb oft nicht bei einem einmaligen Kontakt, sondern es entwickelten sich längere Kontakte, bei denen man sehen konnte, inwieweit die Unterstützung hilfreich war oder bei denen man gemeinsam nach Alternativen suchen konnte.
Hervorzuheben ist auch das niederschwellige Angebot an Betroffene, sich über das Kontaktformular an uns zu wenden und zeitnah Rat und Hilfe zu erhalten. Weiterführende Angebote findet der Ratsuchende etwa durch die von uns stetig aktualisierte Liste der örtlichen Selbsthilfegruppen.
Geplant ist der Aufbau einer über Online auszuleihenden Bibliothek. Die Unterstützung der Selbsthilfegruppen nach Christians Tod nahm Kraft und Zeit in Anspruch.
Anka M.-E. kümmerte sich im Besuchsdienst um einen im Maßregelvollzug inhaftierten PE und begleitete ihn auch bei der Entlassung.
Angebote wie ein regelmäßiger „Treffpunkt für Kontakt und Geselligkeit“ am Sonntag (an dem es i.R. keine SH- Angebote gibt) und „Stoffwechsel-Partys“ (Kleidertauschbörse) wurden rege besucht.


VI. Sprecherkreis-treffen / Selbsthilfetage
Geplant waren vier Sprecherkreis-Treffen / Selbsthilfetage, zu denen auch Nichtmitglieder/Interessierte immer wieder herzlich willkommen waren. Im Februar musste das Treffen in Lüneburg leider aus organisatorischen Gründen der örtlichen Selbsthilfegruppe ausfallen. Am 23.4. ging es in Ricklingen um die Fragen: „Wo stehen wir als LPEN? Wie soll / kann es
weitergehen?“
Am 10.9. diskutierten wir in Osnabrück über Genesungsbegleitung: „EX-IN und partizipative Qualitätsentwicklung“, ein durch die Referenten aus Berlin sehr spannend dargebotenes Thema. Der adventliche /weihnachtliche Ausklang des Jahres am 26.11. fand in Hannover im Kulturzentrum „Hainholz“ statt.


VII. Landespsychiatrieplan
Für den erkrankten Christian, der der vom Land eingesetzten Kommission als einziger Betroffener angehörte, hat Maria die Grußworte der LPEN bei der Vorstellung des Landespsychiatrieplans gesprochen. Als Psychiatrie-Erfahrene fiel der Kommentar zum LPP wesentlich kritischer aus als die anderen Beiträge, wurde aber trotzdem von vielen wohl aufgenommen.


Bei dem im Rahmen des LPP von der IKK gestarteten Projektes zur landesweiten Vernetzung von SH-Gruppen „psychische Erkrankungen“ gaben Thorsten und Maria wichtige Impulse.
An der landesweiten LPP-Tagung „Partizipation und Selbsthilfe“ wirkte Doris S. als Moderatorin eines Workshops mit.


VIII. Weitere Tätigkeiten
Die Zusammenarbeit mit unserer Bundesorganisation ist durch zwei LPEN-Mitglieder in den erweiterten Vorstand des BPE gewährleistet. An der Jahrestagung in Kassel nahmen mehrere LPEN-Mitglieder teil.


Doris S. engagierte sich für die oft Vergessenen: für die Verbesserung der im Maßregelvollzug inhaftierten Psychiatrie-Erfahrenen, sowohl auf Tagungen als auch in anderen Verbänden.
In Landes- und Bezirksgremien setzten sich Vorstand und weitere Mitglieder für die Interessen Psychiatrie-Erfahrener ein, z.B. beim kommunalen Psychiatrie-Beirat, beim Sozialpsychiatrischen Verbund, in der Besuchskommission, beim Trialog usw.
Auch die gezielte Teilnahme an Tagungen wurde unterstützt.
Leider sind wir von einem unserer wesentlichen Ziele, die Teilhabe in Bezug auf angemessener, gerecht entlohnter Arbeit, noch weit entfernt. Ebenso nötig wird es sein Wege zu finden, jüngere Psychiatrie-Erfahrene vor zu früher Verrentung und damit vor einem Leben am Existenzminimum zu bewahren; ebenso müssen Hilfen im Alter angeboten werden, die ein Abgleiten auf psychiatrische Geronto-Stationen verhindern. Die Teilnahme an entsprechenden Veranstaltungen, aber auch an Qualifizierungen weiterer Mitglieder für die geschäftsführende Arbeit im Verein wird eine weitere Aufgabe sein.


Maria Matzel, Schriftführerin